Bypass oder Stent

 

Bypass oder Stent – Ergebnisse einer Studie liefern Entscheidungshilfe

 

Was hat ein Zusammentreffen mit einem freilaufenden Bären mit einer Veranstaltung zum Thema Herzoperationen zutun? Diese Frage nutzte der in Haltern am See niedergelassene Kardiologe Dr. Frank Lewe am 11.06.2013 um sich schnell und ungezwungen die Aufmerksamkeit der zahlreich erschienen Zuhörerinnen und Zuhörer zu verschaffen.

 

In seinem gut eineinhalbstündigen Vortrag nutze Lewe kleine anschauliche Einspieler, die den Interessierten die Anzeichen von Herzerkrankungen sowie die beiden Eingriffverfahren „Stent“ und „Bypass“ zunächst auf simple Weise verdeutlichten.

 

Bei einem Stent wird eine Art „Drahtgeflecht“ mit hohem Druck per Ballon an die verengte Gefäßwand gepresst. Ein Bypass ist eine Überbrückung der gestörten Blutzufuhr mittels Adern, die aus dem eigenen Körper z.B. eine Brustwandarterie oder eine Beinvene, entnommen und dann an die nicht gut versorgte Herzpartie transplantiert wird.

 

Eine solche Operation ist sehr komplex, da sie entweder am stillgelegten Herzen oder mit der Unterstützung von speziellen Geräten am schlagenden Herzen durchgeführt wird. Gerade die zweite Variante bietet dem Patienten ein niedrigeres Schlaganfallrisiko, eine kürzere Verweildauer auf der Intensivstation und bei altersbedingten Nebenerkrankungen ein geringeres Risiko.

 

Alternativ erläuterte Lewe noch die Folgen, wenn „nur“ Herzmedikamente eingenommen werden. Hier droht wohlmöglich ein tödlicher Herzinfarkt. Um die Verfahren gegeneinander abzuwägen, messen die Spezialisten den Blutdruck über der Engstelle. Danach fragte Lewe die Anwesenden, welche der beiden Methoden sie bevorzugen würden.

 

Die Mehrheit sprach sich für das Stent-Verfahren aus, da der Eingriff deutlich schonender ist, als ein aufwändiger Bypass. Hintergrund der Frage war, dass Lewe den Zuhörerinnen und Zuhörern die neuste Studie, über die beiden Verfahren vorstellte: An der durchgeführten Syntax-Studie nahmen insgesamt 1800 Patienten mit Herzproblemen mit einem Durchschnittsalter von 65 Jahren teil.

 

Alle Patienten erhielten per Zufallsprinzip entweder einen Stent oder einen Bypass. In den folgenden fünf Jahren dokumentierten die Forscher, wie häufig es trotzdem noch zu einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall kam, beziehungsweise wie häufig ein weiterer Eingriff notwendig war.

 

Um das Ausmaß der Ablagerungen in den Gefäßen des jeweiligen Patienten dokumentieren zu können, führten die Studienautoren einen neuen Punktwert ein, den Syntax-Score.

 

Dieser verbessere die Aussagekraft der Studie, sagt der Herzspezialist Lewe. Ergebnis: Je komplexer die Krankheit, desto besser ist ein Bypass.

Unerlässlich für die richtige Entscheidung sei aber eine entsprechende Aufklärung und Risiko-Nutzen-Abwägung durch den behandelnden Arzt.

 

Abschließend wies Lewe noch einmal darauf hin: „Man kann das Risiko von Herzerkrankungen aber auch zu 50 % selbst beeinflussen“. Mit dem Rauchen aufhören, sich ausgewogen – am besten mediteran - ernähren und angemessene sportliche Betätigung entlasten das Herz.

 

Die Übersicht zu der Häufigkeit von Herzerkrankungen in verschiedenen Ländern macht es deutlich: Japaner bieten den wenigsten Handlungsbedarf für Herzspezialisten, gefolgt von den Europäern aus dem Mittelmeerraum.

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